»Deutscher Wald, stets unscharf «

Der Verein 68elf zeigt Fotografien unter dem Titel "Photoloft I" im Mediapark

NEUSTADT-NORD. Helle, nahezu transparente Flächen wie in wilder Bewegung eingefroren, farbige Fäden, die das Bild durchziehen und strukturieren, menschliche Konturen; stets dunkel und unscharf – bestenfalls. Peter Hölscher, Fotograf und Grafiker, porträtiert Musiker wie Peter Brötzmann, Ivan Sokolov oder Dietmar Bonnen mit Vorliebe während ihrer Auftritte. Seine Fotografien stellen ein Pendant zum Schaffen der Instrumentalisten dar, deren Interesse oft eher dem Spiel mit Klangflächen oder -farben gilt als festgelegten Harmonien oder starren musikalischen Abläufen.

Hölscher stellt derzeit einige seiner Arbeiten unter dem Titel "musica camera" im Rahmen der Ausstellung "Photoloft I" zusammen mit sechs weiteren Fotografen im Mediapark aus, auf Einladung des Vereins 68elf., Seine Werke sieht er eher als Zufallsprodukte: »Diese speziellen Effekte entstehen weniger durch bewusstes Verreißen der Kamera als vielmehr durch die langen Belichtungszeiten." Da ist wenig vorauszuplanen, oft entscheiden die spontanen Bewegungen über das Gelingen der Aufnahme. Etwa wenn der Pianist Ivan Sokolov von seinem Hocker aufsteht und veschiedene Stadien dieses Bewegungsablaufs in einem sanft geschwungenen Bogen festgehalten werden, der an eine 'Himmelfahrt' denken lässt.

Aber Hölscher ist auch Bildhauer und hatte eine seiner Klangskulpturen mitgebracht: Eine kommodenähnliche Metallkonstruktion, der sich mit Hilfe von zwei Rädern und einem geheimnisvollen Mechanismus tiefe Töne entlocken lassen. Wahrend der Vernissage führte Bonnen die Skulptur ihrem eigentlichen Zweck zu und begleitete darauf Susanne Hille, die "The Wonderful Widow of Eighteen Springs" von John Cage sang. Die "Kommode" heißt "R" – gesprochen "err" also: "Ich habe lange überlegt, ob das ein Mann oder eine Frau ist, und mich dann entschieden: Es ist ein Mann", so Hölscher lächelnd.

Mit Musikern beschäftigt sich etwa auch Hendrik Lietmann, seine Fotos von Holger Czukay, Arto Lindsay oder Fred Frith sind klassische en face-Porträts in Schwarzweiß, stellen allerdings keine Verbindungen zu den entsprechenden Klangwelten her. Farbenfroh dagegen die Aufnahmen, die Heidrun Buchmaier von nepalesischen Schamanen machte oder die großformatigen Landschaftspanoramen von Joachim Badura. Jackson Crawford zeigt fast abstrakt-starre Fotografien von Pflanzen, während bei Wim Cox der deutsche Wald stets unscharf und verschwommen daherkommt. Karin Richert schließlich dokumentiert mit Graffiti in Großstädten die Wandmalereien unserer Zeit. Die Ausstellung ist bis zum 3. Dezember im Mediapark 4A, mittwochs, donnerstags und freitags in der Zeit von 15 bis 19 Uhr und samstags von 12 bis 16 Uhr zu sehen.

Von Hans-Willi Hermans